Gefäßsteifigkeit

Erinnern wir uns an die simple Gleichung:

 

 Gefäßalter = arterielle Gefäßsteifigkeit = PWV 

 

Um die Details des Themas zu erarbeiten, ist es notwendig, die einzelnen Begriffe hinsichtlich Ihrer Bedeutung zu unterscheiden.

Arterielle Gefäßsteifigkeit

Arterielle Gefäßsteifigkeit (engl. arterial stiffness) ist ein Sammelbegriff für die Eigenschaften des arteriellen Gefäßsystems. In der Medizin hat er Fachbegriffe wie Gefäßcompliance, Gefäßelastizität sowie Gefäßverkalkung abgelöst. Sie ist ein unabhängiger und eigenständiger "Biomarker" der Gefäßgesundheit und hat eine hohe prognostische Aussage über das künftige Risiko des Herz-Kreislauf Systems.

Die Arterien haben im Wesentlichen die Aufgabe, Blut vom Herzen im Körper zu verteilen. Daneben sind sie aber auch für die Dämpfung bzw. Pufferung der Pulswelle zuständig, welche vom Herzen ausgeht. Die Druckwelle, welche durch den Herzschlag erzeugt wird, wird so fast in einen gleichmäßigen Blutfluss überführt.

Es ist leicht vorstellbar, dass die Dämpfung der Pulswelle nur funktioniert, wenn die Gefäße hinreichend elastisch und flexibel sind. Versteifen sich die Gefäße, so nimmt die Gefäßwand die Energie der Welle nicht hinreichend auf und gibt sie in zunehmendem Maße zurück. Das Herz arbeitet verstärkt "gegen" diese Reflektion.

Gefäße altern!

Jeder Herzschlag erzeugt eine Pulswelle, welche sich durch das Gefäßsystem ausbreitet. Die junge und gesunde Gefäßwand absorbiert die Energie der Pulswelle - Die Gefäßwand gibt nach.

Pulswelle nach Herzschlag

Gefäße altern und werden im zeitlichen Verlauf steifer - Die Gefäßwand gibt nicht nach. Die Energie der Pulswelle erhöht damit im Blutfluss zunehmend die Geschwindigkeit (Pulswellengeschwindigkeit).

Steife Gefäßwand

Erfahren Sie mehr zum Thema auf der Seite zur Pulswellengeschwindigkeit.

Einflussfaktoren Gefäßsteifigkeit

Den größten Einfluss auf die arterielle Gefäßsteifigkeit hat das Alter selbst, wie es hier bereits zuvor beschrieben wurde. Daneben gibt es jedoch weitere wesentliche Faktoren.

  • Mangelnde Bewegung bzw. körperliche Aktivität.
  • Genetische Voraussetzungen (auch: familiäre Veranlagung).
  • Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen:
    • Übergewicht (Adipositas/metabolisches Syndrom),
    • Rauchen,
    • Bluthochdruck (Hypertonie),
    • Hoher Cholesterinspiegel im Blut (Hypercholesterinämie),
    • Diabetes,
    • Hoher Homocysteinspiegel.
  • Herzkreislauferkrankungen:
    • Erkrankungen der Herzkranzgefäße (Koronare Herzerkrankung),
    • Gehirnschlag/Schlaganfall (Apoplex/Insult)
    • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Erkrankungen, welche nicht vorrangig das Herz-Kreislaufsystem betreffen:
    • Nierenversagen (terminale Niereninsuffizienz)
    • Schmetterlingsflechte (Lupus erythematodes)
    • Entzündliche Gelenkserkrankungen (rheumatoide Arthritis)