Pulswellengeschwindigkeit

Jeder Herzschlag bringt eine Welle von Blut in den Kreislauf, die Pulswelle. Sie ähnelt akustischen Wellen, die sich in einem Raum ausbreiten. Form und Geschwindigkeit der Pulswelle hängen maßgeblich von der Gefäßsteifigkeit ab.

Die Pulswellengeschwindigkeit (engl. pulse wave velocity, kurz: PWV) gibt an, mit welcher Geschwindigkeit sich die Druckwelle des Blutes nach einem Herzschlag in den Arterien bewegt. Die Ausgabe des Ergebnis erfolgt in Metern pro Sekunde (m/s). Der Normwert für die Pulswellengeschwindigkeit ist abhängig vom Alter der Person und im Konfidenzintervall hinterlegt.

Beeinflusst wird die Geschwindigkeit durch die Elastizität der Gefäße. Praktisch bedeutet dies, dass die Pulswellengeschwindigkeit in steiferen Gefäßen höher ist. Die aortale Pulswellengeschwindigkeit ist somit ein direktes Maß für die Arterielle Gefäßsteifigkeit.

Gefäßalter - PWV

Bei jungen Menschen werden die Gefäße mit jedem Herzschlag um 10% gedehnt. Durch diese mechanische Beanspruchung (ca. 100.000 Dehnungen pro Tag), kommt es zur Materialermüdung der Gefäße. Die elastischen Fasern der Gefäße (Elastin) werden zunehmend durch das schneller nachgebildete aber straffere Kollagen ersetzt, was zur Versteifung der Gefäße führt. Das "Gefäßalter" steigt aber nicht nur mit dem kalendarischen Alter, es kann diesem entsprechen, aber auch wesentlich geringer oder auch höher sein. Im letzten Fall spricht man von vorzeitiger Gefäßalterung (engl. early vascular aging, kurz: EVA Syndrom).

 

Konfidenzintervall

Abbildung: Konfidenzintervall der Pulswellengeschwindigkeit

 

90% der gesunden Menschen einer Altersgruppe
          haben eine Pulswellengeschwindigkeit         
innerhalb der gestrichelten Linien. 

 

Im Rahmen einer Gefäßaltermessung mit agedio erheben wir die individuelle Pulswellengeschwindigkeit der Person und vergleichen diese mit dem Intervall der entsprechenden Altersgruppe (siehe Grafik). Heraus kommt neben dem konkreten Wert der Pulswellengeschwindigkeit ein Indikator auf einer farbigen Säule.

 

Ergebnissäule PWV

 

  • hoch bedeutet, dass der Wert oberhalb des Intervalls liegt.
  • mäßig bedeutet, dass der Wert zwar innerhalb des Intervalls liegt, jedoch oberhalb des Mittelwerts.
  • normal bedeutet, dass der Wert unterhalb des Mittelwerts liegt.

 

Achtung: Die Auswertung ist insbesondere abhängig von dem Alter der Person. Während die Pulswellengeschwindigkeit eines älteren Menschen z.B. mit 9 m/s normal ist, wäre sie für einen jüngeren Menschen deutlich überhöht. Junge Menschen haben z.B. einen Normalwert um 5 m/s.

Gefäßalter in Jahren

Das Gefäßalter in Jahren basiert ebenfalls auf der Pulswellengeschwindigkeit. Allerdings wird hier nicht nur der absolute Wert bemessen an den Werten der gleichen Altersgruppe, sondern es wird geschaut, welcher Altersgruppe der gemessene Wert als Mittelwert entspricht. Dazu wird die individuelle Pulswellengeschwindigkeit horizontal so lange verschoben, bis sie auf dieser Höhe den Mittelwert trifft. Auf der X-Achse (Alter) kann man dann das Alter ablesen, für welches diese PWV angemessen wäre.

 

PWV nach Jahren

Liegt der Punkt oberhalb des Mittelwerts wird nach rechts verschoben, die Gefäße sind "älter". Liegt der Punkt unterhalb des Mittelwerts, so wird nach links verschoben, die Gefäße sind "jünger".

Entscheidungshilfe

Auf den Ergebnisberichten ist in der Regel eine Entscheidungshilfe ausgewiesen. Sie orientiert sich an der Säule der Pulswellengeschwindigkeit und bietet folgende Alternativen:

 

Smiley grün

Die Messwerte sind in Ordnung. Ihre Pulswellengeschwindigkeit ist gleich oder besser dem Mittelwert Ihrer Altersgruppe entsprechend.

 

Smiley gelb

Die Messwerte sind im Grenzbereich. Ihre Pulswellengeschwindigkeit ist zwar noch innerhalb des Intervalls, jedoch liegt sie oberhalb des Mittelwertes für Ihre Altersgruppe. Es wird empfohlen, die Messung bei Gelegenheit zu wiederholen, um mögliche Tendenzen in der Veränderung zu verfolgen.

 

Smiley rot

Die Messwerte sind auffällig. Ihre Pulswellengeschwindigkeit liegt oberhalb der Referenzwerte Ihrer Altersgruppe. Es wird empfohlen, die Ergebnisse mit einem Arzt zu besprechen. Mediziner sind in der Lage, Einzelwerte im Kontext mit der Person zu bewerten und eine medizinische Relevanz zu beurteilen.